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DRK-Zivilschutz-Experte empfiehlt: "Wasser, Nudeln, eine Taschenlampe" (vom 23.08.2016)
Wolfgang Kast, Teamleiter beim DRK, hat am 21. August mit tagesschau.de ein Interview zur Diskussion um die Neuordnung des deutschen Zivilschutzes geführt. Nicht hamstern, sondern vernünftige Vorräte anlegen - das empfiehlt Zivilschutz-Experte Kast. Im Interview mit tagesschau.de verweist er auf die individuellen Bedürfnisse. So ergebe es für Veganer wenig Sinn, Dosenwurst einzulagern. Beim Deutschen Roten Kreuz ist Wolfgang Kast Teamleiter für gesundheitlichen Bevölkerungsschutz und Rettungswesen. Der Betriebswirt und Gesundheitsmanager ist einsatzerprobt.
tagesschau.de:
Panikmache oder Notwendigkeit? Wie beurteilen Sie die derzeitige politische Diskussion über die Neuordnung des deutschen Zivilschutzes?
Wolfgang Kast:
Ich wundere mich vor allem über die derzeitige Debatte in der Öffentlichkeit. Der Sachverhalt ist seit Jahren bekannt. So stellt zum Beispiel das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe online einen Ratgeber zu Verfügung, der empfiehlt, einen Vorrat von Lebensmitteln und Getränken für zwei Wochen anzulegen. Jetzt ist die Rede von zehn Tagen, und die Aufregung ist groß. Die wiederum ist ein Indiz dafür, dass das Bewusstsein verloren gegangen ist, dass es eben zu einer Notsituation etwa durch Hochwasser oder Stromausfall kommen kann und dass dann erst mal jeder für sich selbst verantwortlich ist.
tagesschau.de:
Woran liegt das?
Wolfgang Kast:
Wir haben uns nicht zuletzt durch das Internet daran gewöhnt, dass immer alles und zu jeder Zeit verfügbar ist. Katastrophen finden scheinbar stets woanders und vor allem im Fernsehen statt. Es ist ja auch tatsächlich so, dass die meisten Menschen wahrscheinlich nie betroffen sein werden. Trotzdem muss man sich vorbereiten, auch als Gesellschaft. Je weniger man als Gesellschaft sich auf mögliche Szenarien einstellt, umso anfälliger ist der Einzelne.
tagesschau.de:
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Hochwasser oder Stromausfall auch für Tage gar nicht so selten sind. Sind die Menschen auf solche Notlagen ausreichend vorbereitet?
Wolfgang Kast:
Wir erleben, dass die Menschen immer weniger auf eine Notsituation vorbereitet sind. Das hängt auch damit zusammen, dass die Erfahrung und das Wissen der Nachkriegsgeneration sich allmählich verlieren. Auch die Szenarien eines Kalten Kriegs sind spätestens seit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung kaum noch präsent. Die Erste-Hilfe-Ausbildung wird heute oftmals auf eine Bescheinigung im Rahmen der Führerscheinprüfung reduziert.
tagesschau.de:
Was und wie viel an Vorräten ist Ihrer Einschätzung nach das Minimum? Nicht jeder hat den Platz für Trinkwasser und Lebensmittel, die für fünf oder zehn Tage ausreichen.
Wolfgang Kast:
Dieses Problem haben viele Menschen. Bei all diesen Angaben handelt es sich ja um Empfehlungen, nicht um Vorschriften. Da gilt es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten und die persönliche Lebenssituation einzubeziehen: Was möchte ich zu Hause haben, wenn ich ein paar Tage nicht vor die Tür kann? Wenn ich mich vegan ernähre, macht es wenig Sinn, Blutwurst in Dosen einzulagern. Wasser, Nudeln, Tomatensauce gehen fast immer. Auch eine Taschenlampe, Batterien und Kerzen sollte jeder griffbereit haben. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, dem empfehle ich, rechtzeitig, also mit einer Woche Vorlauf, ein neues Rezept zu besorgen und auch einzulösen. Dabei geht es nicht um Hamstern, sondern um einen normalen Vorrat.
tagesschau.de:
Wie planen Sie für sich persönlich? Welche Lebensmittel und Gegenstände haben Sie immer zu Hause?
Wolfgang Kast:
Ich habe eine große Familie und auch einen großen Keller, so dass ich einiges unterbringen kann. Außerdem verarbeiten wir das, was im Garten wächst. Aber da geht es vor allem um Geschmack, weniger um Vorsorge. Was wir immer im Hause haben, sind die schon erwähnten Nudeln mit Tomatensauce und natürlich Wasser, außerdem Mehl, damit man auch mal ein Brot selbst backen kann.
tagesschau.de:
Tut Deutschland genug für den zivilen Schutz der Bevölkerung? Ist man in der Schweiz oder in Österreich womöglich besser aufgestellt?
Wolfgang Kast:
Wir könnten besser sein. Wir vernachlässigen zum Beispiel die Förderung der Ausbildung im Zusammenhang mit Pflege, die das Bundesgesetz für den Katastrophen- und Zivilschutz zwar vorschreibt, die aber kaum in die Tat umgesetzt wird. Grundsätzlich gilt: Wünschenswert ist alles, was Engagement und Ehrenamt stärkt, ob beim Deutschen Roten Kreuz, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder einer anderen Hilfsorganisation. Für mich ist das das beste Beispiel für gelebte Nachbarschaftshilfe, die auch im Katastrophenfall greift.

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