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KV Märkisch-Oder-Havel-Spree
Woodstock 2008 (vom 09.09.2008)
Vom 01. bis zum 03. August fand wieder das größte europäische Umsonst-Open-Air-Festival �Haltestelle Woodstock 2008" in Kostrzyn/ Küstrin an der Oder (Polen) statt. Deutsche Hilfskräfte unterstützten (schon fast traditionsgemäß) die polnischen Einsatzkräfte.
Das Deutsche Rote Kreuz wurde zusammen mit weiteren deutschen Hilfsorganisationen (DLRG, Malteser) eingeladen, um dem Veranstalter und die Stadt Kostrzyn für die geschätzten 250-300 Tausend Teilnehmer des �14. Haltestelle Woodstock" eine angemessene sanitätsdienstliche Absicherung vor Ort in Zusammenarbeit mit den polnischen Hilfskräften zu stellen.
Auf dem Veranstaltungsgelände fand man eine äußerst gut strukturierte Aufstellung des medizinischen Personals und der beweglichen Sanitätseinheiten von DLRG und Malteser vor. Im Bereich der Stadt unterstützen das DRK mit Helfern aus dem Kreisverbänden Strausberg und Frankfurt-Oder-Spree die Retter vor Ort.
Große Enttäuschung gab jedoch bei allen, über die Nichtteilnahme der Rettungshundestaffel aus Märkisch-Oderland. Aus organisatorischen Gründen war eine Teilnahme nicht möglich.

Weiter dazu: Ein Erfahrungsbericht - ein Einsatzbericht

Gemeinsam mit den Krankenschwestern des städtischen Krankenhauses in Kostrzyn arbeiteten wir Rotkreuzler aus den beiden Kreisverbänden und den verschiedenster Sanitätseinheiten an der Seite der polnischen Kameraden.
Insgesamt verzeichneten die im Krankenhaus abgestellten Zusatzkräfte mehrere hundert Patienten, die in die Notaufnahme des Krankenhauses gebracht wurden. Allein 369 Einsatz-Stunden gehen auf das Konto der Rotkreuz-Kräfte.

Besonders positiv zu bewerten war das äußerst gute Zusammenarbeiten der beteiligten deutschen Hilfsorganisationen. Patientenübergabe zwischen den auf dem Gelände tätigen Rettern der DLRG oder der Maltester mit den tätigen Kräften war souverän, so weit es die Situation zu lies. Gegenseite Unterstützung war selbstverständlich, Probleme wurden umgehend geklärt.
Umso schlechter jedoch war die Zusammenarbeit mit den polnischen Rettern. Dabei lag das größte Problem mit Sicherheit an der unterschiedlichen Wahrnehmung des Gefahrenpotentials derartiger Großveranstaltungen und die daraus resultierenden unterschiedlichen Herangehensweisen.
Bedenkt man, dass in Deutschland eine vollstabsmäßig strukturierte Einsatzleitung aufgebaut werden würde, mit rund 20 Fahrzeugen und 100 Helfern, so war hier nichts von dem vorzufinden - das Woodstockgelände, welches unter der Leitung der WOSP stand, davon ausgenommen. Teilweise mussten wir eigene deutsche Helfer abbestellen, weil der Verpflegungssatz auf eine minimalste, nicht zu vertretende Anzahl an Sanitätern reduziert wurde und Unterkünfte nicht zur Verfügung standen.
Organisationsfehler zeigten sich dabei auch in den einfachen und beengenden Unterkünften in den Patientenzimmern des Krankenhauses und der damit verbundenen sanitären Einrichtungen. Da wurde eine ganze Station, die perfekt für Patienten zur Überwachung hätte zur Verfügung gestellt werden können, in Schlafräume verwandelt. Auch der anspruchsloseste Retter kam dabei etwas ins grübeln. In Polen läuft�s eben alles etwas anders.

Auch eine Einsatzplanung für die Rettungsfahrzeugen und der Unfallhilfsstellen, aber auch konkrete Aufgabenstellungen und -verteilungen fehlten vollkommen. Mit dem Aufbau von Behandlungszelten auf dem Krankenhausgelände hätten alle Retter und das Pflegepersonal dem großen Patientenansturm im Krankenhaus gerecht werden können. Jedoch wurde das schon im Vorfeld von polnischer Seite abgelehnt. Daher konnten wir von Glück reden, dass es zu keinem nennenswerten Großschadensfall kam.
Unverständnis kam auch über die Führung des Einsatzes auf, denn die verantwortlichen Führungsköpfe (ausschließlich polnisch) kennen den deutschen Standard mehr als gut, denn sie haben aufgrund verschiedenster grenzüberschreitender Kooperationen, das Rettungs-System kennengelernt und miterlebt. Es gibt eben gut funktionierende Arbeitsweisen, die man scheinbar aus Prinzip nicht übernehmen möchte.
Fehlendes Organisations- und Personalmanagement, insbesondere in der Vorhaltung und des Einsatzes von Ärzten machten die Arbeit teilweise unerträglich. So war zeitweise unserer eigener Notarzt O. Fahron der einzige Arzt vor Ort.

Nachdem man sich irgendwie versuchte zu arrangieren, bestanden die Hauptaufgaben in der Betreuung der Patienten, dem Vorbereiten von Infusionen und Medikamenten, dem Legen von Zugängen und Spritzen selbst, Gipsen und Schienen. Natürlich alles unter fachlicher Aufsicht � und sofern es überhaupt möglich war auch unter ärztlicher Anleitung. Wie gesagt, in Polen �funktioniert das System� irgendwie etwas anders. Plötzlich gehörte das �Drehen von Watte zu Tupfern� auch zu einer Aufgabe, die den � ausschließlich � deutschen Sanitätern, Rettungssanitätern und Rettungsassistenten zugetragen wurde. Das es hierbei alles andere als steril zuging, versteht sich von selbst.

Sehr interessant war die Patientenübergabe.
Eine Horde in Dienstkleidung gehüllter Notfallretter warteten nur darauf, einen Patienten vor die Nase gefahren zu bekommen. Der RTW standen noch nicht einmal still, schon wurden Heck- und Seitentüren buchstäblich aufgerissen und der Kampf begann. Jeder wollte an den Patienten heran und begleitete jenen in der Rettungsstelle des Krankenhauses. Plötzlich wurde dieser von sage und schreibe mindestens 6 und mehr �Rettern� gleichzeitig versorgt. Abgesehen von der äußerst brillanten psychologischen Vorgehensweise, musste sich sogar teilweise ärztliches Personal einen Weg zum Patienten durchkämpfen. Versucht man krampfhaft irgendwie zu verstehen, warum �Rettungsdienstleistungen nach Auffassung der EU-Kommission KEINE hoheitliche Aufgabe, sondern im Wettbewerb stehende Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse sind�, dann würde dies hier das perfekte Beispiel dazu abgeben.
Bemühten wir uns vergeblich die Polen an die Standards und Richtlinien nach EU-Normen (Hygiene-Vorschriften, RTW-Ausstattung, und vieles mehr) heranzuführen, könnte man meinen, hier hätte sie die Nase vorn, wenn es darum ging, wer denn nun den Verletzten abbekam � alles im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse. Weitere Kommentare wären nun wohl überflüssig.

Hinzu kamen aber noch 2 Rettungseinsätze, da eine weitere Aufgabe darin bestand, den örtlichen Rettungsdienst zu unterstützen, da dieser durch die erhörten Besucherzahlen in Kostrzyn kaum den �Alltagsbetrieb� sicherstellen konnte. Der Ablauf eines solchen Einsatzes ist kaum vorstellbar � so etwas muss man vor Ort selbst miterlebt werden.
Wie schon eben beschrieben, rückte nicht eine kleine Rettungsgruppe aus � nein, der/ dem Verunfallten bot sich ein Ansturm an Hilfskräften, da konnte man als fachkundiger Deutscher nicht mithalten. Noch während man versuchte die Vitalfunktionen zu überprüfen und das verletzte Bein mit Hilfe eines SamSplints ruhigzustellen, wurde einem der Patient sprichwörtlich unter den Händen weggeschnappt, in den RTW eingeladen und abtransportiert. Bevor wir wussten, was geschehen war, vernahm man nur noch Blaulicht und Signalhorn in die Ferne ziehen.

In der Nacht zum Montag versorgten wir noch einige Festival-Teilnehmer, die so langsam aus dem Rausch aufgewacht waren oder sich auf dem Weg zum Bahnhof kleinere Verletzungen zuzogen und medizinische Hilfe in Anspruch nahmen.
Morgens machten sich dann die letzten Rotkreuzler wieder in Richtung Heimat auf. Einige Einsatz-Kräfte verließen bereits am Abend zuvor das Areal � eine Reaktion auf die Gegebenheiten vor Ort.

Ein Jahr bleibt nun Zeit, darüber nachzudenken und ggf. etwas an der Zusammenarbeit zu verbessen. Denn ein 15. Festival �Haltestelle Woodstock� wird es mit Sicherheit geben. Fraglich, ob auch wir daran wieder teilnehmen werden, wenn sich Bedingungen und Voraussetzungen nicht ändern.

Yves Dittmann
DRK Kreisverband Frankfurt-Oder-Spree e.V.

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Woodstock 2008

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