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KV Märkisch-Oder-Havel-Spree
Segler aus See gerettet (vom 11.05.2010)
Die Wettervorhersage für den heutigen Tag lud für Aktivitäten im Freien nicht unbedingt ein. Der Deutsche Wetterdienst hatte für unsere Region folgenden Warnlagenbericht herausgegeben: Am Mittwoch, 21.04.10, 15:30 Uhr, wiederholt Schauer, STURMBÖEN, vereinzelt auch GEWITTER.
Entwicklung der WETTER- und WARNLAGE für die nächsten 24 Stunden bis Donnerstag, 22.04.10, 15:30 Uhr:
Ein Tiefdruckgebiet über der Ostsee zieht nordostwärts zum Baltikum. Es lenkt maritime Polarluft nach Berlin und Brandenburg.
Heute Nachmittag muss weiterhin mit Schauern, örtlich auch mit kurzen GEWITTERN gerechnet werden. Dabei weht ein lebhafter Wind mit WINDBÖEN (um 55 km/h). In Schauer- und Gewitternähe sind auch STURMBÖEN (um 70 km/h) möglich.
In der Nacht zum Donnerstag kommt es zur Wetterberuhigung. Anfangs treten noch WINDBÖEN (bis 55 km/h) auf. Gebietsweise tritt BODENFROST auf, bei längerem Aufklaren ist auch Luftfrost bis -1 Grad nicht auszuschließen.
Am Donnerstag frischt der West- bis Nordwestwind wieder zeitweise auf und vor allem in der Uckermark sind dann WINDBÖEN (um 55 km/h) möglich.
Es war tatsächlich ein wirklicher Apriltag mit Sonne, Sturmböen und sogar Hagelschauern.

Ich befand mich auf der Wasserwacht-Station und war mit Saisonvorbereitungsarbeiten beschäftigt. Umso mehr verwunderte es mich, als ich am Nachmittag ein Segelboot auf dem See ausmachte. 3 Männer, alle mindestens 30 Jahre alt, ohne passende Kälteschutzbekleidung und ohne Rettungswesten passierten gegen 17:00 Uhr den Bootssteg an der Wasserwacht-Station mit Kurs Süd, bei böigem Nordwind der Stärke 3 - 4.

Gelegentlich sah ich mit dem Fernglas nach dem Boot. Um 18:03 Uhr bemerkte ich das Kentern des Segelbootes im südlichen Seebereich, zwischen der Pension am See und der Insel Fischerwerdel. Erst lag es auf der Seite und ich konnte die Versuche der Besatzung beobachten, das Boot wieder aufzurichten, jedoch misslang dies und das Boot kenterte durch. Mit dem Fernglas waren danach auch keine Menschen mehr auszumachen.

Um 18:06 Uhr alarmierte ich über den Notruf 112 die Rettungsleitstelle Oderland und forderte Rettungsdienst und Feuerwehr für den Einsatz an. Ich entschied mich mir einen Wasserretterneoprenanzug, Füßlinge und eine Auftriebsweste anzuziehen und mit dem einsatzbereiten "Sit on Top" Rettungskajak zur Einsatzstelle zu paddeln, da unser Motorrettungsboot noch in der Bootswerft in Frankfurt (Oder) ist. Nach ca. 10 Minuten straffem Paddeln erreichte ich als erster die Unglücksstelle. 1 Person lag auf dem Rumpf des Segelbootes, eine zweite hielt sich an der Pinne des Bootes fest.
Die dritte Person war bereits vom Wind etwa 80 Meter weit südlich abgetrieben worden. Ich paddelte zu dieser hin. Diese männliche Person war nicht mehr in der Lage zu schwimmen. Ich ergriff ihn und zog ihn auf das Rettungskajak. Zur selben Zeit hatte die Freiwillige Feuerwehr Müllrose ihr Schlauchboot zu Wasser gebracht und anschließend die beiden Personen vom Segelboot aufgenommen. Ich kam mit der auf dem Kajak liegenden Person nicht mehr zügig voran, sodass die Kameraden mir zur Hilfe kamen und den schwer unterkühlten Patienten ins Schlauchboot übernahmen.

Am Steg der Pension „Am See“ war bereits das Team des Rettungswagens Müllrose dabei, die beiden ersten Patienten mit Decken zu versorgen, als der Rettungshubschrauber "Christoph 49" auf dem Gelände der Pension landete.
Wir lagerten den dritten Patienten auf dem Spineboard des RTW Müllrose und trugen ihn umgehend zum Rettungshubschrauber, der ihn nach Bad Saarow ausflog. Aus Beeskow waren inzwischen ein Rettungswagen und der Notarzt eingetroffen, die sich zusammen mit dem Rettungswagen Müllrose um die beiden anderen Unterkühlten kümmerten. Diese beiden Patienten wurden zur weiteren Behandlung in das Klinikum Frankfurt (Oder) gebracht.

Nach Inspektion des gekenterten Bootes kamen wir zu dem Schluss, ein weiteres Boot der Feuerwehr aus Finkenheerd für den Bergungseinsatz zu alarmieren. Der Mast steckte im Schlamm fest und die Zugkraft des Schlauchbootes war nicht ausreichend. Gegen 19:30 Uhr trafen die Kameraden der Feuerwehr Finkenheerd ein; gemeinsam schleppten wir das Boot frei und drehten es um. Nach dem lösen des Segels stieg ich in das Segelboot um und schöpfte etwas Wasser aus. Das Feuerwehrboot schleppte den Haveristen zur Wasserwacht-Station, wo ich es dann komplett ausschöpfte und für die Nacht fest machte.

Einsatzende war gegen 21:00 Uhr.

Dieser Einsatz zeigt wieder einmal, wie schnell Leichtsinn, mangelnde Erfahrung und schlechte Ausrüstung Menschen in eine lebensgefährliche Situation bringen können. Wenn ich nicht zufällig das Kentern bemerkt hätte, dann wären diese drei Menschen einen nassen und kalten Tod gestorben bevor sie jemand vermisst hätte.



Gregor Goldenbogen
Leiter
DRK Wasserwacht Ortsgruppe Müllrose

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